Furnieren

Eine natürliche und wohnraumfreundliche Oberfläche lässt sich für meinen Geschmack am besten mit Furnier erzielen.
Leider befinden sich auf dem Weg zu einer schönen Echtholzoberfläche viele Stolpersteine. Da ich über die meisten davon schon gefallen bin will ich hier versuchen meine Erfahrungen weiter zu geben und dem interessierten Bastler einige Stürtze zu ersparen.



Die Methoden

Grundsätzlich bestehen drei Methoden, um eine Oberfläche mit Furnier zu verbinden.

I. Die Pressmethode
Die Holzoberfläche wird mit Leim bestrichen, das Furnier wird aufgelegt und beides dann mit hohem Druck in einer Furnierpresse eingespannt. Dieses ist wohl die profewssionellste Technik, doch leider in der Hobbywerkstatt nur schwer zu realisieren.

II. Die Bügelmethode mit Weißleim

Weißleim ist ein Thermoplast. Das bedeutet, dass man ihn auch nach seiner Austrocknung duch Hitze wieder lösen oder verschmelzen kann.
Material:
Weißleim (Ich arbeite gerne mit Ponal Fugenleim), eine schmale Lackrolle, ein Bügeleisen, ein dünnes Baumwolltuch und ein Korkklotz (z.B. ein Handschleifklotz)
Vorteile:
Die Verbindung ist nach der Abkühlung sofort fertig und man kann weiter arbeiten, es entstehen kaum Gerüche und man kann die Verbindung notfalls wieder durch Hitze lösen
Nachteile:
Man bringt sehr viel Hitze und teilweise Feuchtigkeit in das Furnier, dadurch dehnt es sich und es entstehen bei der Abkühlung sehr schnell Kürschner und Risse.
Der Arbeitsablauf:
Das Furnier wird mit ein bis zwei cm überstand pro Seite auf die zu furnierende Fläche zurechtgeschnitten. Dann werden das Holz und das Furnier mit Holzleim bestrichen. Ich nutze dazu eine schmale Lackrolle, da so ein sehr gleichmäßiger Film zu erreichen ist.
Nun müssen beide Seiten gut trocknen. Oft wellt sich jetzt das Furnier, da durch den Leim Feuchtigkeit eingezogen ist, oder es reißt schon jetzt ein.
Nach zehn bis 20 Minuten kann man mit der Hand über den Leim streichen, ohne dass er sich noch feucht oder klebrig anfühlt. Jetzt geht es los!

Das Bügeleisen ist auf "Leinen" vorgeheizt und trocken (Restwasser in alten Dampfbügeleisen führen unweigerlich zu Rissen). Das Furnier auf dem Werkstück ausrichten, mittig den Lappen auflegen und dann das Bügeleisen darauf pressen. Man muss wirklich fest und flächig drücken.
Nun von der Mitte das Eisen immer wieder zu den Außenkanten führen (und immer feste drücken). An den Kanten möchte sich das noch heiße Furnier durch die Eigenspannung wieder vom Holz abheben. Deshalb drücke ich es da immer, bis zur vollständigen Abkühlung, mit dem Korkklotz fest.
Viel Erfolg.

III. Die Klebemethode mit Pattex (Meiner Meinung nach die qualitativ beste)

Pattex Classic ist ein Kontaktkleber auf Lösemittelbasis. Er benötigt für die Verbindung keine Feuchtigkeit und keine Hitze, sondern nur für sehr kurze Zeit einen festen Andruck. Es reicht vollkommen aus die Verbindung festzuschlagen oder mit einer Andruckrolle anzupressen.
Material:
Pattex Classic (Ich nehme ausschließlich original Pattex Classic, Versuche mit anderen Produkten haben immer sehr frustrierend geendet), Korkklotz (z.B.Handschleifklotz), schmale Lackrolle, Backpapier, Hammer (500g), Lappen, eventuell Andruckrolle, feines Malerkrepp und bei größeren Flächen zwei weitere Hände.
Vorteile:
Es kommen weder Feuchtigkeit noch Hitze in das Furnier. Dadurch lassen sich sehr hochwertige Oberflächen, ohne Risse und Kirschner, erzielen.
Nachteile:
Da der Kleber Lösemittel enthält, ist auf eine gute Frischluftzufuhr zu achten.
Die Verklebungen müssen gut durchtrocknen. Daher Lässt sich pro Tag nur eine Seite furnieren.
Der Arbeitsablauf:
Das Furnier wir mit ca. 2cm Überstand pro Seite, passend für das Werkstück zugeschnitten. Ich schleife per Hand dann noch mal mit 200er Schmirgelleinen über die Holzoberfläche und sauge beide Flächen (Furnierunterseite und Holzoberseite) ab, damit auf keinen Fall erhabene Stellen verbleiben. Diese würden sich im Furnier als sehr unansehnliche Beulen abzeichnen.

Zuschnitt

Nun wird der Kleber aufgetragen. Da das Holz stärker saugend und damit antrocknend ist, bestreiche ich immer zuerst das Furnier und dann die Holzoberfläche. Dazu nutze ich eine schmale Lackrolle, mit der ich einen dünnen, aber gleichmäßigen Film beideitig auftrage.

Kleberauftrag

Sobald der Kleber aufgetragen ist, ziehe ich ihn mit einem feinen Zahnspachtel ab. Dabei ist immer darauf zu achten, dass an den Rändern ausreichend Kleber vorhanden bleibt. Die Richtungen der Kleberstreifen, welche durch den Zahnspachtel entstehen, sollten sich kreuzen. Zieht man den Kleber auf dem Furnier in Lägsrichtung ab, dann sollte die Berarbeitung der Holzoberfläche in Querrichtung erfolgen.

Kleber verstreichen

Nach ca. 10 Minuten ist der Kleber so weit angezogen, dass die Oberfläche sich gummiartig anfühlt, man mit der Hand aber nicht kleben bleibt.
Dieses ist der Moment, in dem es losgeht.
Erkärung: Der Kleber ist jetzt an einer Seite mit dem Furnier und an der anderen mit dem Holz verbunden. Da die abgelüftete Kleberoberfläche aber selbst nicht mehr klebt, kann nichts anderes mehr darauf fest kleben. Andererseits gehen die beiden Klebeflächen bei der kleinsten Berührung eine nicht zerstörungsfrei lösbare Verbindung ein. Liegt das Furnier erst mal auf dem Holz, kann man es weder ausrichten, noch lassen sich Falten entfernen. Deshalb wird zwischen die Klebeflächen Backpapier als Trennschicht gelegt. Dieses haftet nicht am Kleber, so dass man das Furnier in Ruhe ausrichten kann.

Los Geht's.

1. Mit der Hand über die Klebeflächen streichen, um eventuell vorhandene Luftblasen darin zu zerdrücken.
2. Die Holzoberfläche komplett mit Backpapier abdecken.

Furnier abdecken

3. Das Furnier sauber, mit ca 2cm überstand an allen Seiten ausrichten. Spätestens hier können zwei weitere Hände sehr hilfreich sein.

4. Das Trennpapier wird zu einer kurzen Seite herausgezogen, gleichzeitig wird das Furnier, mit streichenden Bewegungen richtung Trennpapier, mit dem Korkklotz angepresst.

Furnier aufbringen

5. Das Furnier muss nun noch, um die Endfestigkeit der Klebeverbindung zu erreichen, feste angepresst werden. Entweder durch festen Druck mit einer Anpressrolle, oder durch Schläge mit dem Hammer auf das Korkstück. Ich habe mir eine Andruckrolle aus einem Möbelheber gebaut, habe aber auch mit Leuten gesprochen, die eine Spannrolle aus einem Automotor oder eine Bierflasche dafür nutzen (na, wenn die mal in der Hand zerbricht, direkt an der Pulsader. Dann ist das ganze Furnier versaut. Äußerst ärgerlich).

Andruckrolle   Furnier festschlagen

Im Anschluss muss die Verbindung gut durchtrocknen. 24 Stunden haben sich bei mir bewährt. Wenn man zu früh weiter arbeitet ist der Kleber schmierig und es kann zu Flecken auf der Oberfläche oder zu Ablösungen kommen.

6. Nun muss das Furnier bündig zum Werkstück getrennt werden. Da an den Ecken die größte Gefahr für einen Riss besteht, weden diese bis auf ca. 3mm Überstand, winkelhalbierend abgeschnitten.

Ecken beschneiden

7. Im nächsten Arbeitsschritt das Furnier auf Schleifmaß (1 bis 2mm) absägen. Ich lege dazu ein 1,5mm dickes Stahlmaß unter die Schnittkante. Dieses sorgt für das nötige Aufmaß und schützt die darunter liegende Fläche vor Verletzungern. Dann säge ich das Furnier mit einem Furnierschneider ab. Dabei ist es äußerst wichtg, dass man immer in Richtung Holz schneidet. Sonst hebt man das Furnier an und es kommt zu Brüchen oder Ausrissen.

Überstand absägen

8.1. Nun das Furnier, mit einem Handschleifklotz und 100er Schleifleinen bündig schleifen. Auch dabei wieder in Richtung Holz schleifen und das Furnier nicht anheben. An den Ecken ganz vorsichtig arbeiten, da es dort schnell zu Rissen kommt.

Furnier bündig schleifen

8.2 Man kann lange Abschnitte auch gut mit einem Bündigfräser in der Oberfräse abplanen. Dazu benötigt man einen sehr scharfen Fräser (Auf gar keinen Fall den Billigmüll vom Wühltisch - 10 Fräser für 50 Euro). Quer zur Maserung arbeitet man im Gegenlauf, längs zur Maserung im Gleichlauf. Achtung: Das sollte man wirklich nur dann machen, wenn man sich seines Handwerks sicher ist! Die Maschine kann sich dabei in das Werkstück ziehen kann unkontrollierbar werden.
Arbeitet man aber im Gegenlauf, parallel zur Maserung, reißt das Furnier unweigerlich ein, da der Fräser es auseinanderzieht.
Wer nicht weiss, was er tut, sollte hier wirklich den Schleifklotz wählen.

Furnier bündig fräsen


9. Bevor ich weitere Anschlussseiten furniere, klebe ich die fertigen, sauber bis ganau aun die Kante, mit feinem Malerkrepp ab. Dadurch kann kein Kleber auf das fertige Furnier kommen und die Oberfläche ist vor Verletzungen beim Beischliff geschützt.

Kanten abkleben


Ein paar Tips zu Schluss:
- Man sollte die Kanten erst ganz zum Schluss, wenn alle Seiten furniert sind, mit feinem Schleifleinen brechen.
- Sollte etwas Pattex Classic auf das Furnier kommen, kann man ihn vorsichtig mit Waschbenzin entfernen.